Restaurierungsarbeiten in der Basilika

Gesamtinstandsetzung des Innenraums, der Fassade und des Dachs der Basilika durch das Land Baden-Württemberg

Bitte beachten: Baustelle in der Basilika !!!

Fristgerecht zum Dezember 2022 ist der erste Bauabschnitt der Innensanierung abgeschossen. Daher wurde unmittelbar nach den Weihnachtsferien begonnen, das Baugerüst in den folgenden Wochen abzubauen bzw. umzustellen. Außerdem werden im Boden neue Kanäle für die Elektroinstallation verlegt und erschweren enorm die Zugänglichkeit der Basilika. Aufgrund dessen bleibt die Basilika weiterhin bis zum 20. Februar 2023 komplett geschlossen. Die Sonntagsgottesdienste finden wie üblich in der Basilika statt. Mit den Wochtentagsgottesdiensten bleiben wir bis Ende Februar in der beheizten Marienkapelle. Bitte benützen Sie dazu direkt den Außeneingang am Torbogen. 

Seit Mai 2021 wird an der Gebäudehülle, der Raumschale und der hochwertigen Ausstattung eine Gesamtinstandsetzung über vier Bauabschnitte durchgeführt. Im Vorfeld wurden hierfür umfangreiche Untersuchungen anhand einer Musterachse im Innenraum durchgeführt.

Die Deckenfresken von Cosmas Damian Asam im Innenraum der Basilika sind stark restaurierungsbedürftig. Die Dach- und Fassadenflächen sowie die veraltete Gebäudetechnik müssen umfangreich instandgesetzt werden. Dies realisiert das Land Baden-Württemberg in vier Bauabschnitten bis 2028.

1.Bauabschnitt 2021 – Ende 2022: Einrüsten der ersten zwei Joche im Innenraum und Beginn der Restaurierung der Deckenfresken. Ab 2022: Einrüsten der Fassadenfläche und Instandsetzung der Fassade sowie des Dachs.

2. Bauabschnitt 2023 – Ende 2024: Restaurierung der verbliebenen Joche und der Fassade des Langhauses.

3. Bauabschnitt ist geplant für Herbst 2023 – Herbst 2025 und der

4. Bauabschnitt ist geplant für Sommer 2025 – Sommer 2027.

© Landesbetrieb Vermögen und Bau Baden-Württemberg – Amt Ravensburg

© Kiechle

© Eva Höfle

© AeDis AG

Der erste Bauabschnitt im Innenraum der Basilika Weingarten wird im Dezember 2022 beendet. Es wurden in zwei Langhausjochen der Basilika insgesamt 14 Deckenfresken mit einer Gesamtfläche von ca. 350 m² restauriert, sowie die Raumschale und der Deckenstuck gereinigt. Die Kanzel wurde umfangreich Restauriert, ebenso die Stuckmarmor-Altäre mit den Altarblättern in diesen Bereichen. Insgesamt haben hierfür 22 Restaurator/innen gearbeitet. Sowohl Kanzel als auch die Stuckmarmor Altäre waren durch die Nutzung und frühere Überarbeitungen stark mit vergilbten Oberflächenauflagen versehen. Alle Oberflächen waren zudem stark von Ruß- und Staubauflagerungen überdeckt. Dies konnte alles durch Trocken- und Feuchtreinigungsmethoden entfernt werden. Während der Stuckmarmor nach 300 Jahren noch in einer solchen guten Qualität angetroffen wurde, dass dieser keine weitere Oberflächenbeschichtungen benötigt, wurden die Holzoberflächen der Kanzel mit einem neuen Firnis versehen. Vergoldungen wurden konserviert und teilweise retuschiert. Wir freuen uns sehr darauf nach der Ausrüstung den fertigen Zustand präsentieren zu können. Bis Jahresende werden noch die Metallgitter der Empore gereinigt und konserviert, ebenso die Glasfenster der beiden eingerüsteten Joche. Diese Arbeiten laufen, wie die Arbeiten am Dach und der Fassade, nächstes Jahr im zweiten Bauabschnitt nahtlos weiter.

Eine besondere Schwierigkeit die wir noch dieses Jahr angegangen sind, ist die geplante Einrüstung und staubsichere Einhausung der Gabler-Orgel, damit wir an die Fresken und den Stuck der Gewölbe im zweiten Bauabschnitt im westlichen Langhaus heran kommen. Dabei zeigte sich auch, dass es eine Baufuge zwischen dem Gewölbe und der Westwand der Basilika gibt, durch diesen Schutt aus dem Gewölbe hinter die Orgel fällt. Den Schutt im Dach konnten wir bereits im ersten Bauabschnitt komplett entfernen, die Baufuge werden wir baldmöglich schließen. Weiterhin konnten wir nach langer Planung mit den Elektroplanern und in Abstimmung mit der Denkmalpflege endlich die Werkplanung für die Brandmeldeanlage im Dach und den Kirchennahen Räumen, sowie die komplette Erneuerung der Elektrik innerhalb der Basilika abschließen. Die neuen Kabeltrassen verlaufen komplett durch den Boden aus den 1960ern, weswegen wir keine Wände und Pfeiler aus hochwertigem barocken Stuck verletzten müssen.

Im zweiten Bauabschnitt, welcher mit der Gerüstumstellung ab Januar 2023 beginnt, werden wir wieder zwei Langhausjoche restaurieren. Wie zuvor liegt der besondere Augenmerk auf der Restaurierung der Deckenfresken und der Raumschale, die Seitenschiffaltäre und der Prospekt Gabler-Orgel werden, nach der erfolgten Reinigung der Raumschale, auch in diesem Bauabschnitt restauriert.

Florian Wiener, Restaurator M.A.
AeDis AG für Planung, Restaurierung und Denkmalpflege

© Landesamt für Denkmalpflege

Im Frühjahr 2002 wurde bei einer Baukontrolle festgestellt, dass Regenwasser in den Innenraum der Kuppel dringt. Eine Begehung des Hohlraums zwischen der mit Backstein gemauerten Kuppelschale und der Dachkonstruktion mit Kupferblecheindeckung zeigte, dass die Dachhaut im Bereich aufgenieteter Reparaturbleche Risse aufwies und die Holzspanten, die die Dachhaut tragen, durch die anhaltend eindringende Feuchtigkeit bereits von Pilzen befallen waren.

Eine behutsame Reparatur der Schäden und der gleichzeitige Erhalt bauzeitlicher Befunde, die Aussagen über historische Arbeitsweise liefern, war das denkmalpflegerische Ziel. Das bedeutete eine Instandsetzung der Holzkonstruktion und Blecheindeckung an Ort und Stelle. Dabei durften die in der Kuppelschale verbauten Gerüsthölzer nicht betreten werden, da dies zu Putzabplatzungen am Fresko geführt hätte.

Aus der anstehenden Instandsetzungsmaßnahme an der Dachkonstruktion der Kuppel ergab sich die Notwendigkeit, das Innere der Kuppel parallel einzurüsten. Eine Gefährdung des Malereibestandes galt es unter allen Umständen zu vermeiden. Noch vor der kompletten Einrüstung der Kuppelausmalung wurden die Malereien photogrammetrisch aufgenommen. Die digitalisierten Pläne waren Grundlage für eine Kartierung der Schäden. Eine erste Voruntersuchung an den Malereien erfolgte im Juli 2003. Zu diesem Zeitpunkt wurde der bedenkliche Erhaltungszustand der Malereien offensichtlich, der über Notsicherungsmaßnahmen hinaus ein restauratorisches Handeln erforderte.

Nachdem alle Untersuchungsergebnisse vorlagen, wurde im Herbst 2004 mit der Notsicherung begonnen. Dabei galt es, die gravierenden Mörtel- und Malschichtablösungen durch Injektionen von geeigneten Materialien zu sichern, um ein gefahrloses Arbeiten im Dach während der Instandsetzung zu gewährleisten.

© Felix Kästle

Nachdem der Südturm der Basilika bereits in den Jahren 2002 bis 2005 saniert wurde, konnten der Nordturm und die Westfassade des Mittelbaus der Basilika instand gesetzt werden. Grundlage bildete zunächst eine Schadens- und Maßnahmenkartierung der Natursteinflächen. Weiter wurde eine Kartierung der Schäden an der Kupferblechdeckung des Nordturmes erstellt, um eine Kostenschätzung und Maßnahmenplanung aufzustellen. Ein besonderer Schwerpunkt der Arbeit lag auf dem differenzierten Umgang mit den zahlreichen Kunst- und Natursteinvarietäten der umfangreichen Restaurierungsgeschichte am Objekt.

Vorausgegangene Restaurierungen mit ungeeignetem Materialeinsatz wie zementöse Antragungen in Kombinationen mit Beton sowie flächig hohlliegende Platten und hydrophobierte Bereiche machten eigene Konzepte zur Instandsetzung der Folgeschäden nötig. Eine besondere Herausforderung bestand darin, geeignete Ersatzmaterialien für die umfangreichen Steinaustauscharbeiten zu finden. Insgesamt wurden über 1.000 Werksteine erneuert. Durch Metallrestauratoren wurden die bauzeitlichen Zierelemente wie z.B. die Darstellung der Heilig-Blut-Reliquie auf dem Mittelbau instand gesetzt, Vergoldungen und farbige Fassungen wurden konserviert.

Nach der umfassenden Fassadensanierung an der Basilika sowie der Sanierung des Vikariats sollten gravierende Mängel und Schäden an Vorplatz und Treppe behoben und der Platz insgesamt neu gestaltet und aufgewertet werden.

Die alte Treppenanlage musste vollständig zurückgebaut werden. An ihrer Stelle entstand eine Treppenanlage mit integrierter behindertengerechter Rampe. Zu guter Letzt wurde der Platz selbst mit einem Natursteinpflasterbelag aus verschiedenen Steinformaten befestigt.

Bei den Untergrundarbeiten am Platz fand man Überreste eines mittelalterlichen Friedhofes sowie die Fundamente der Vorgängerbauten der Basilika. Diese wurden freigelegt und sorgfältig dokumentiert.
Zusammen mit einer neuen Beschilderung für den gesamten Martinsberg, einem Bronzetastmodell der Anlage sowie einer neuen Fassadenbeleuchtung für die Basilika ist das imposante Kulturdenkmal nun angemessen in Szene gesetzt und die BürgerInnen der Stadt Weingarten und Umgebung bekommen ihren beliebten Aussichtspunkt über der Stadt, am Fuße der Basilika zurück.

Quelle: https://www.bauforschung-bw.de/objekt/id/170888092020/basilika-st-martin-und-oswald-in-88250-weingarten/