Blutfreitag Aktuell

Versammlung der Gruppenführer

Mit der Versammlung der Gruppenführer am Ostermontag, 1. April 2024 begannen wieder die Vorbereitungen zum diesjährigen Blutfreitag am 10. Mai. Der Festgruß liegt wieder vor und kann im Pfarrbüro für 1,50 Euro erworben werden. Der diesjährige Festgast und Prediger ist Ivo Muser, Bischof von Bozen-Brixen.

Die Bilanz eines bewegenden Blutfreitags

Angenehm sommerliche Temperaturen und über 20.000 Besucherinnen und Besucher aus aller Welt, bildeten den Rahmen für die diesjährigen Blutfreitagsfeierlichkeiten. Über 1.779 Wallfahrerinnen und Wallfahrer hoch zu Ross nahmen an der Reiterprozession teil. Als Ehrengäste waren Bischof Dr. Ivo Muser aus Bozen-Brixen sowie die Bundesministerin für Bildung und Forschung, Bettina Stark-Watzinger, auf dem Rathausbalkon vertreten.

© Stadt Weingarten

Gegen 11.30 Uhr erreichte Heilig-Blut-Reiter Dekan Ekkehard Schmid mit der Heilig-Blut-Reliquie wieder den Klosterhof der Basilika von Weingarten. Dr. Ivo Muser, Bischof aus Bozen-Brixen, nahm dort in diesem Jahr als kirchlicher Ehrengast die Reliquie in Empfang, während die Kirchenglocken läuteten. Im Anschluss wurde in der Basilika das Pontifikalamt gefeiert.
Der Blutritt selbst begann am Freitagmorgen um 7 Uhr mit der Übergabe der Heilig-Blut-Reliquie am Kirchenportal. Die feierliche Übergabe eröffnete die Reiterprozession, die in dieser Form und Größe einmalig in Europa ist. Knapp 100 Reitergruppen in Frack und Zylinder aus ganz Oberschwaben und darüber hinaus begleiteten den Heilig-Blut-Reiter auf seinem zehn Kilometer und drei Stunden langen Weg durch Stadt und Fluren. Die zahlreichen Musikkapellen marschierten im Stadtgebiet mit und scherten aus, bevor die Prozession in Richtung Ösch weiterzog. Über 20.000 Menschen und Pilger aus aller Welt säumten die Wege, um den Segen der Heilig-Blut-Reliquie zu empfangen.

© Ella Kiechle

Bereits am Abend des Christi-Himmelfahrt-Tages und genau einen Monat vor der Europa-Wahl rief Bischof Muser in einer bemerkenswert politischen Festpredigt zu mehr Wir-Gefühl auf dem Kontinent auf. Europa brauche eine Seele. „Wir müssen lernen, miteinander zu leben, nicht nebeneinander“, mahnte der kirchliche Ehrengast aus Südtirol die Gläubigen in der Basilika und draußen in der Stadt. Der christliche Glaube könne das Verbindende sein mit seiner Hoffnung, die über das Menschliche und das Innerweltliche hinausgehe. Muser warnte davor, das sogenannte christliche Abendland als Abgrenzungs- und Kampfbegriff zu verwenden oder damit nur die Vergangenheit wiederherstellen zu wollen. Kriegsrhetorik helfe ebenso wenig weiter. Jesus Christus habe durch Tod und Auferstehung gezeigt, dass auch im scheinbaren Scheitern Hoffnung und Zukunft liegen kann. Eine christliche Zukunftsvision lebe vom offenen und konstruktiven Dialog sowie von Menschlichkeit. So sei der Blutritt ein Bekenntnis zu diesem Glauben. Er möge ein „Ritt des Friedens“ werden, wünschte der Prediger, bevor er sich – umringt von hunderten Gläubigen – der Lichterprozession auf den Kreuzberg anschloss.

© Stadt Weingarten

Die Stadtverwaltung hatte am Blutfreitag auch in diesem Jahr wieder prominente Gäste aus Politik, Wirtschaft, Gesellschaft und Kirche sowie die „Blutreiter-Veteranen“ ins Rathaus eingeladen. Auch eine Delegation weltlicher und kirchlicher Gäste aus der italienischen Partnerstadt Mantua waren vertreten, um die Verbundenheit beider Städte durch das Heilige Blut zu verdeutlichen. Als politischer Ehrengast nahm die Bundesministerin für Bildung und Forschung, Bettina Stark-Watzinger an den Feierlichkeiten teil.
Die katholische Kirchengemeinde St. Martin als Veranstalter, die Stadt Weingarten als Betreiber, sowie zahlreiche Einsatzkräfte von Polizei, Feuerwehr, THW, Deutsches Rotes Kreuz, Festordner, Tierarzt sowie ein privater Sicherheitsdienst sorgten erneut erfolgreich für die Sicherheit während der Feierlichkeiten. Erfreulicherweise kam es zu nur wenigen Zwischenfällen.

Sabine Weisel, Stadt Weingarten

© Stadt Weingarten

Die Basilika feiert 300 Jahre

1724 wurde sie feierlich eingeweiht, als größte Barockkirche nördlich der Alpen. Sie sollte nicht nur die mittelalterliche Klosterkirche ersetzen. Dort war die Heilig-Blut-Reliquie, die 1094 über Umwege von Mantua nach Weingarten gekommen war, noch in einer Seitenkapelle untergebracht. Nun im Neubau sollte sie ganz ins Zentrum gerückt werden, bereits von weitem sichtbar durch die mächtige Kuppel und durch das leuchtende Schauzeichen der Heilig-Blut-Reliquie, welches die Fassade bekrönt. „Schlussstein ist Christus, durch den der ganze Bau zusammengehalten wird“ – heißt es beim Apostel Paulus. Ja, was verbindet und eint Menschen heute noch? Woraus speist sich Menschenwürde und Toleranz, Freiheit und Solidarität?

So prächtig die Basilika trotz Baustelle auch erscheinen mag, so sehr liegt ihr doch der Psalmvers zugrunde: „Der Stein, den die Bauleute verwarfen, ER ist zum Eckstein geworden.“ Die Basilika mit dem Blut Christi im Zentrum stellt also Christus am Kreuz ins Zentrum und zwar als den in den Augen vieler Verworfenen und Missachteten, dem aber doch Recht widerfuhr, Heil und Leben durch Gott. Und dies lässt hoffen.

Der Kontrast und die feine Ironie können also nicht größer sein als wenn man diese steinerne Glanzleistung des Barock ausgerechnet mit diesem Bibelvers betritt. Ja, Gott rückt uns in seinem Haus zurecht, indem er gerade den schwachen Menschen ins Zentrum rückt. Dafür steht diese Basilika seit 300 Jahren und dafür steht auch der jahrhundertealte Blutritt um sie herum.

Dekan Ekkehard Schmid

Angenehme Temperaturen und viele Gläubige aus aller Welt – all dies trug zu gelungenen und friedlichen Blutfreitagsfeierlichkeiten in diesem Jahr bei. Über 20.000 Besucher verfolgten die größte Reiterprozession Europas im oberschwäbischen Weingarten. Insgesamt 1.808 Wallfahrerinnen und Wallfahrer hoch zu Ross nahmen an der Reiterprozession teil.

Übergabe der Heilig-Blut-Reliquie am Kirchenportal

© Felix Kästle

Gegen 11.15 Uhr erreichte der Heilig-Blut-Reiter Dekan Ekkehard Schmid mit der Heilig-Blut-Reliquie wieder den Klosterhof der Basilika von Weingarten. Der Fuldaer Bischof Dr. Michael Gerber nahm dort in diesem Jahr als kirchlicher Ehrengast die Reliquie in Empfang, während die Kirchenglocken läuteten. Im Anschluss wurde in der Basilika das Pontifikalamt gefeiert. Der Blutritt selbst begann am Freitagmorgen um 7 Uhr mit der Übergabe der Heilig-Blut-Reliquie am Kirchenportal. Die feierliche Übergabe eröffnete die Reiterprozession, die in dieser Form und Größe einmalig in Europa ist. Knapp 100 Reitergruppen in Frack und Zylinder aus ganz Oberschwaben und darüber hinaus begleiteten den Heilig-Blut-Reiter auf seinem zehn Kilometer und drei Stunden langen Weg durch Stadt und Fluren. Die zahlreichen Musikkapellen marschierten im Stadtgebiet mit und scherten aus, bevor die Prozession in Richtung Ösch weiterzog. Über 20.000 Menschen und Pilger aus aller Welt säumten die Wege, um den Segen der Heilig-Blut-Reliquie zu empfangen.

Der Festgruß liegt wieder vor und kann im Pfarrbüro für 1,50 Euro erworben werden. Der diesjährige Festgast und Prediger ist Ivo Muser, Bischof von Bozen-Brixen.

BRAUCHTUM, GLAUBE UND FEST

Ein Beitrag von Markus Waggershauser aus der Online-Redaktion der Diözese Rottenburg-Stuttgart….

Markus Waggershauser ist Diplom-Theologe und war 15 Jahre Pastoralreferent im württembergischen Allgäu und in Göppingen. Durch seine journalistische Zusatzqualifikation bildete die Öffentlichkeitsarbeit jeweils einen Schwerpunkt seiner Tätigkeit. 2012 wechselte er zur Online-Redaktion der Diözese nach Rottenburg. An der 2019 eingerichteten Außenstelle in Weingarten berichtet er nun über kirchliche Ereignisse in der Region Bodensee – Allgäu – Oberschwaben.

Texte: Markus Waggershauser, Sabine Weisel